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ARDS Therapieoptionen

Definition des akuten Lungenversagens (ARDS)

Beim schweren Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) handelt es sich um ein akutes Krankheitsbild, welches durch ein nicht-kardial bedingtes Lungenödem, Atelektasen mit Rechts-Links-Shunt, sauerstoffrefraktäre Hypoxämie, pulmonale Hypertonie und Schädigung der alveolo-kapillären Membran gekennzeichnet ist. Das ARDS kann durch direkte oder indirekte Pathomechanismen hervorgerufen werden. Hierzu zählen unter anderem Aspiration, Pneumonie, Lungenkontusion, Sepsis oder Polytraumatisierung mit Schock und Massivtransfusion. Das akute Lungenversagen wird seit 2011 wie folgt definiert:

Berlin Klassifikation

Berlin Klassifikation ARDS
Kriterien ARDS Schweregrad Mild ARDS Schweregrad Moderat ARDS Schweregrad Schwer
Zeitpunkt Akut innerhalb einer Woche oder neues respiratorisches Ereignis Akut innerhalb einer Woche oder neues respiratorisches Ereignis Akut innerhalb einer Woche oder neues respiratorisches Ereignis
Radiologie (Rö-Th oder CT) Bilaterale Infiltrate (nicht nur Ergüsse, Atelektasen, Raumforderungen Bilaterale Infiltrate (nicht nur Ergüsse, Atelektasen, Raumforderungen Bilaterale Infiltrate (nicht nur Ergüsse, Atelektasen, Raumforderungen
Grund Ausschluss kardialer Ursachen und Flssigkeitsüberladung Ausschluss kardialer Ursachen und Flssigkeitsüberladung Ausschluss kardialer Ursachen und Flssigkeitsüberladung
Hypoxämie P/F-Index 201-300 mmHg + PEEP ≥ 5 cmH2O P/F-Index 101-200 mmHg + PEEP ≥ 5 cmH2O P/F-Index ≤ 100 mmHg + PEEP ≥ 5 cmH2O

Standardverfahren beim ARDS

Lungenprotektive Beatmung nach ARDS-Netzwerk Kriterien

Die Haupttherapiemaßnahme der schweren Gasaustauschstörung während des akuten Lungenversagens stellt nach wie vor die mechanische Beatmung mit positiv-endexspiratorischem Druck (PEEP) dar. Als Standard gilt eine lungenprotektive Beatmungsstrategie mit reduzierten Tidalvolumina (≤ 6 ml/kg ideales Körpergewicht (IBW)) und Begrenzung des Plateau- bzw. Spitzendrucks auf 30-35 cmH2O). Zusätzlich gilt es den PEEP zu optimieren, um das beste Ventilations-Perfusionsverhältnis (V/Q) zu erreichen. Durch diese Strategie soll der Gasaustausch gesichert und eine weitere beatmungsinduzierte Lungenschädigung („Ventilator Induced Lung Injury“ (VILI)) weitestgehend verhindert werden.

Lagerungstherapieverfahren

  • Bauchlagerung sowie 135 Grad Lagerung

Erweiterte Therapieoptionen bzw. Rescue-Verfahren, die bei Versagen einer konventionellen Beatmungsstrategie an unserem Zentrum durchgeführt werden

  • NO-Beatmung
  • Venovenöse (pumpenbetriebe) extrakorporale CO2-Elimination (vv-ECCO2-R)
  • Venovenöse und venoarterielle extrakorporale Membranoxygenierung (vv- und va-ECMO) zur Lungen- oder Herz-Lungenunterstützung

Indikationen zur ECMO-Therapie

  • Schwere Hypoxämie (z.B. P/F ≤ 80 mmHg trotz hohem PEEP  ≥ 15 cmH2O)
  • Dekompensierte respiratorische Azidose (pH ≤ 7,2)
  • Exzessiv hohe inspiratorische Spitzen- oder Plateaudrücke (z.B. > 35-40 cmH2O) unter konventionell lungenprotektiver Beatmung
  • Rechts- und/oder Linksherzversagen (z.B. bei ARDS, Sepsis, Herzinfarkt etc.)