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Informationen für Ärzte

Die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie betreibt eine eigene 12-Betten-Intensivstation.
Um eine 24stündige ärztliche Besetzung zu gewährleisten, arbeiten die Stationsärzte im Schichtdienst (z. Zt. 3-Schichten-System). Das Ärzteteam umfaßt insgesamt 6 in der Weiterbildung befindliche Assistenten, 1 supervidierenden Facharzt und 1 Oberarzt. Neben der konsiliarischen Tätigkeit auf anderen Intensivstationen wird das Team klinikumsweit für Reanimationen eingesetzt und besetzt den Schockraum.
Im Pflegebereich sind 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, überwiegend mit abgeschlossener Weiterbildung in Anästhesie und Intensivpflege. Der Weiterbildungskurs wird auch von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie selbst angeboten.

Patientenspektrum

Die ca. 800 Patienten, die pro Jahr auf der anästhesiologischen Intensivstation behandelt werden, setzen sich zum größten Teil aus postoperativ zu betreuenden Patienten der folgenden operativen Disziplinen zusammen: Allgemein-, Unfall-, Gefäß- und plastische Chirurgie, Herz- und Thoraxchirurgie, Urologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Orthopädie. Sollten in operativen Fächern mit eigener Intensivstation nicht genügend Therapieplätze zur Verfügung stehen, so können bei entsprechender Kapazität auch diese Patienten auf der anästhesiologischen Intensivstation versorgt werden. Eine zweite große Gruppe umfasst Patienten mit Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma, Thoraxtrauma sowie Patienten, die ein akutes Lungenversagen entwickelt haben. Ungefähr 15-20 % aller Patienten werden aus auswärtigen Krankenhäusern zugewiesen, da dort die erforderlichen diagnostischen und/oder therapeutischen Möglichkeiten nicht zur Verfügung stehen bzw. ausgeschöpft sind. Hierzu gehören insbesondere Patienten mit akutem Lungenversagen, die mit extrakorporalen Verfahren zur Lungenunterstützung (iLA)- oder zum Lungenersatz (ECMO) behandelt werden müssen. Unsere Klinik ist Mitglied des ARDS-Netzwerks Deutschland und ist als überregionales ECMO-Zentrum etabliert.

Patientendaten-Managementsystem

Das seit April 1998 auf anästhesiologischen Intensivstation eingesetzte Patientendaten-Managementsystem CareVue® (Fa. Philips) wurde im Juli 2011 durch COPRA 6 ersetzt. Mit dessen Hilfe lassen sich gezielt medizinische Daten erheben, die in der Folge auch statistisch ausgewertet werden und für wissenschaftliche Fragestellungen analysiert werden können. Auch Scoring-Systeme, wie z.B. APACHE, SAPS und TISS, können auf einfache Weise in die Patientenüberwachung integriert werden. Über eine Schnittstelle zum Zentrallabor und zum stationseigenen Blutgasanalysator werden Laborwerte direkt bettseitig übermittelt. Die bettseitige Darstellung sämtlicher gängiger Überwachungsparameter erfolgt digital, analog oder als Trendkurven.

Arbeitsplatzergonomie

Der Umzug der Intensivstation in das „Zentrum für Operative Medizin“ ermöglichte eine völlige Neugestaltung der Arbeitsplätze. So wurde ein Deckenampelsystem (Fa. Kreuzer) installiert, das einen erheblich besseren Zugang zum Patienten gewährleistet und einen „aufgeräumten Arbeitsplatz“ ermöglicht.

Therapieverfahren

  • Künstliche Beatmungsverfahren und extrakorporale Verfahren  
    An allen 12 Betten ist eine Respiratortherapie möglich. An Beatmungsgeräten stehen die Ventilatoren Servo-I ® (Fa. Siemens) sowie Evita XL® (Fa. Dräger) zur Verfügung. 
Patienten im akuten Lungenversagen (ALI/ARDS) werden konventionell lungenprotektiv mit niedrigem Tidalvolumen (4-6 ml/kg idealisierten Körpergewichts) und erhöhtem positiv-endexspiratorischen Druck (PEEP) beatmet. Bei Versagen einer konventionellen Beatmungsstrategie stehen neben der Lagerungstherapie (135 Grad und Bauchlagerung, kontinuierliche laterale Rotationstherapie) verschiedene Rescueverfahren, wie z.B. die Hochfrequenz-Oszillations-Ventilation (HFOV), die NO-Beatmung oder auch die extrakorporale CO2-Eliminierung (iLA, av-ECLA) zur Verfügung. Bei schwerstem Oxygenierungsversagen kommt die veno-venöse extrakorporale Membranoxygenierung (vv-ECMO) und bei kombiniertem Herz-und Lungenversagen die venoarterielle ECMO (va-ECMO) zum Einsatz.

  • Nierenersatzverfahren
    Zur Behandlung des akuten Nierenversagens können im Bedarfsfall bis zu 4 Hämodiafiltrationsgeräte vom Typ Prismaflex® (Fa. Hospal) gleichzeitig eingesetzt werden.

  • Leberersatzverfahren
    Bei hochgradiger Einschränkung der Leberfunktion steht in Kombination mit einem Hämodiafiltrationsgerät (Prismaflex®) die MARS-Technik („Molecular Absorbent Recirculating System“) zur Verfügung.

  • Zerebrales Monitoring
    Bei neurotraumatisierten Patienten wird - bei entsprechender Indikation - der intrakranielle Druck mit einer intraparenchymatösen Sonde gemessen und eine kontinuierliche EEG-Überwachung durchgeführt. Zur Bestimmung der zerebralen Blutflußgeschwindigkeit wird die transkranielle Dopplersonographie verwendet. Die Tiefe der Analgosedierung wird mit Hilfe des bispektralen Index (BIS) beurteilt. Außerdem kann nicht-invasiv mittels Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) die zerebrale Oxygenierung überwacht werden.

  • Spezielle Kreislaufüberwachung
    Zur Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle der schweren Herz-Kreislauf-Insuffizienz werden sowohl Pulmonalarterienkatheter (PAK) mit integrierter kontinuierlicher Messung der gemischtvenösen Sauerstoffsättigung und des Herzzeitvolumens als auch die Pulskonturanalyse (PiCCO) zur kontinuierlichen Herzzeitvolumenmessung eingesetzt. Weiterhin steht die transösophageale Echokardiographie (TEE) für die erweiterte kardiale Diagnostik zur Verfügung.

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